Lassen Sie sich entführen in die faszinierende Welt des Apportierens

Wir haben nun den dritten Retriever an unserer Seite und mit jedem Einzelnen, der zu uns kam, wuchs meine Begeisterung für das Dummytraining. Eine Begeisterung, mit der ich gern auch andere Menschen und Ihre Hunde anstecken möchte – Menschen, die ihr Leben mit einem Retriever an ihrer Seite teilen und aber auch Hundeeltern anderer Rassen und Mischlingshunde.
Jedoch ist in vielen Köpfen "nur" das Bild des apportierenden Retrievers vorhanden. Dieses Bild, wird vielen anderen „Nicht-Retrievern“ nicht gerecht, denn zum einen haben Hunde anderer Rassen und Mixe ebenso große Freude am Apportieren und zum anderen apportiert nicht jeder Retriever automatisch gern, nur weil „to retrieve“ (engl. etwas zurück bringen) auf dem "Etikett", also in der Rassebeschreibung...oder des Rassenamen, steht.

Es gibt keine Pauschalaussage, welcher Hund gern apportiert und welcher nicht! Es gibt aber eine vernünftige "Pauschalantwort": Probieren Sie aus, ob Ihr Hund an der Dummyarbeit Gefallen findet! ;-)
Was genau verbirgt sich hinter dem Apportier- und Dummytraining? Was bringt Menschen dazu bei Wind und Wetter irgendwo im Gelände zu stehen und gefüllte Säckchen zu werfen oder auszulegen, die der Hund dann wieder zu seinem Menschen zurückbringt?
Lassen Sie sich entführen in die faszinierende Welt des Apportierens!

 

Die Arbeit mit Dummys (engl. Attrappe), bzw. das Apportieren (lat. apportare - herbeibringen) hat seinen Ursprung im jagdlichen Bereich. In der jagdfreien Zeit, sowie in der Ausbildung und im Training eines Jagdhundes, finden die sogenannte Dummys ihren ursprünglichen Verwendungszweck.
Das Dummytraining etablierte sich jedoch immer mehr und wurde mit wachsender Begeisterung einer sehr beliebten Beschäftigung – auch unter den nicht jagdlich geführten "Fellnasen" und Familienhunden.  

Dem Ball hinterher zu rennen oder das Stöckchen zu bringen ist schon ein guter Einstieg, aber noch lange nicht alles, was zum Dummytraining dazugehört.
Nicht selten ist zu beobachten, dass Hunde freudig und mit Leidenschaft dem geworfenen Gegenstand hinterherrennen und diesen im Folgenden auch aufnehmen, dennoch ist im weiteren Verlauf zu beobachten, dass viele Hunde ihre Beute nicht gerne teilen oder beim Menschen abliefern.

Das Heimbringen, das Ausgeben und den Zweibeiner an der "Beute" teilhaben zu lassen, ist keine Selbstverständlichkeit, aber ein sehr schönes Geschenk für den Menschen. Wenn Sie sich vor Augen halten mit welcher Begeisterung der Hund hinausgeht, um den Gegenstand zu finden und wie stolz viele Hunde sind, wenn sie fündig werden, umso schöner erscheint es, wenn der Hund seinem Menschen vertraut und die Beute in seine Nähe bringt.

Die unterschiedlichen Aufgaben aus dem Apportieren/Dummytraining zählt zu einer der schönsten Beschäftigungen für den Hund, die sich leicht in die täglichen Spaziergänge integrieren lassen.
Im Dummytraining steht Ihnen ein breites Spektrum an Aufgaben zur Verfügung, das Sie in kleinschrittige Übungen zerlegen können wodurch Sie viel Abwechslung in Ihr Training und in Ihre Spaziergänge bringen können. Sei es eine kleine Suchaufgabe oder das Lenken des Hundes auf ein Ziel, wobei der Hund lernt verstärkt auf Ihre Körpersprache zu achten als auch Ihnen zu vertrauen.
Des Weiteren wird das Zusammenspiel der Konzentration des Hundes auf die Umwelt, den Gegenstand und seinen Menschen gefördert und trainiert. Auch das freudige Aufnehmen und  Tragen eines Gegenstandes, sowie viele weitere Signale wie beispielsweise das Stoppen des Hundes auf Distanz, der Rückruf, das Ausgeben von Gegenständen, die Ansprechbarkeit des Hundes auch auf größere Distanz werden trainiert und erweisen sich auch im "ganz normalen" Alltag als sehr nützlich.

 

Was bedeutet dies für das Mensch-Hund(e)-Team?

Alle diese Aufgaben fördern die Kooperation, Kommunikation und die Freude an der Interaktion zwischen Mensch und Hund. Der Mensch lernt viel genauer auf seine eigene Körpersprache als auch auf die seines Hundes zu achten.
Häufig sind es die Kleinigkeiten in der Körpersprache die es dem Hund erschweren seine Beute gerne mit dem Menschen zu teilen. Sind Sie beispielsweise zu frontal für den Hund ausgerichtet, wirkt es wenig einladend auf Ihren Hund mit der Beute zu Ihnen zu kommen. Sie können es Ihrem Hund erleichtern, indem Sie entweder in die Hocke gehen oder sich seitlich zu ihm drehen während er auf Sie zu rennt.

Greifen Sie zu früh nach dem Apportiergegenstand, könnten Sie bedrohlich auf den Hund wirken, oder er hat bereits verknüpft, dass die annähernde Hand des Menschen für ihn bedeutet der Gegenstand fallen zu lassen – mit der Konsequenz, dass er fortan das Dummy zu früh fallen lässt.
Es gibt viele Signale des Körpers, die der Mensch unbewusst sendet, die der Hund aber wohl wahrnimmt.

Je klarer Sie als Mensch sowohl in Ihrer verbalen als auch in Ihrer körpersprachlichen Signalgebung sind, umso besser versteht Ihr Hund, was Sie von ihm möchten. Je mehr Sie Ihren Hund beobachten, umso leichter werden Sie sein Ausdrucksverhalten richtig deuten können.

Ein weiterer grundlegender Aspekt warum das Dummytraining sich positiv auf das Miteinander zwischen Mensch und Hund auswirkt, basiert auf dem gegenseitigen Vertrauen, das sich Stück für Stück weiter entwickelt und sich festigt.
Der Mensch lernt seinem vierbeinigen Gefährten immer mehr zu vertrauen, umso weiter er ihn später in das Gelände schickt. Sogar außer Sicht und bei der Suche, bei welcher der Hund allein arbeitet, hat der Mensch das Gefühl der Zuversicht: "mein Hund weiß was er tut."
Der Hund wiederum lernt seinem Zweibeiner zuzutrauen, ihm den richtigen Weg zu einem möglichen Dummy zu zeigen. Beim späteren Einweisen schickt der Mensch seinen Hund los ohne, dass der Hund weiß, dass dort ein Dummy liegt, in eine bestimmte Richtung und der Hund sollte sich auf seinen Menschen verlassen und die vorgegebene Richtung einschlagen, obwohl er vielleicht ein anderes Dummy aus einer anderen Richtung in der Nase hat. Dies formt eine wunderbare Kooperation zwischen Mensch und Hund und wirkt sich positiv auf eine stabile Vertrauensbasis aus.

Vertrauen und Bindung entwickeln sich auch aus der Fähigkeit des Menschen die Bedürfnisse des Hundes zu befriedigen und dabei unterstützt uns das Apportiertraining mit einer Vielzahl an Möglichkeiten.

Bewegung ist ein weiteres elementares Bedürfnis vieler Hunde. Das Dummytraining vereint die körperliche mit der geistigen Auslastung der Hunde ungemein. Es gibt doch kaum etwas Schöneres, als dem Hund bei der freudigen Arbeit im Gelände zu zu schauen.

Wir werden dem Bewegungsdrang unserer Hunde gerecht und der Hund darf dabei auch noch denken! Bei der Freiverlorensuche kann er seine Nase intensiv anstrengen, bei den Markierungen kann er seine Konzentrations- und Merkfähigkeit schulen und wir haben ein sehr gutes Training für die Aufmerksamkeitsteilung des Hundes. Der Hund lernt seine Aufmerksamkeit nicht nur den fliegenden Gegenständen zu schenken, sondern auch uns!

Allerdings sollten wir die Gesundheit unserer Hunde nicht außen vor lassen. Die körperliche Belastung sollte nicht unterschätzt werden. Wenn die Hunde zu einem Apport starten, geht es für viele Hunde von 0 auf 300 und wenn die Muskulatur noch kalt ist, können sich Hunde die gleichen Verletzungen wie wir Zweibeiner zuziehen, zum Beispiel Bänder-, Sehnen- und Muskelrisse. Daher empfiehlt es sich, die Hunde vor dem Training aufzuwärmen beispielsweise durch Streckübungen, unterschiedliche Gangarten oder Slalomlaufen durch die Beine. Kein Sportler würde einen 100m Sprint unaufgewärmt starten!
Wenn Ihr Hund unter Gelenkserkrankungen oder Rückenproblemen leidet, sprechen Sie dies im Training an. So kann Ihr Trainer das Training noch gezielter auf Sie zuschneiden.
So ist zum Beispiel das abrupte Abbremsen eine enorme Belastung für den gesamten Hundekörper. Wenn Sie Zweifel haben, ob das Apportiertraining aus dem gesundheitlichen Aspekt das Richtige für Ihren Hund ist, fragen Sie Ihren Tierarzt oder einen Physiotherapeuten.

Durch den kleinschrittigen Aufbau der einzelnen Übungen bis hin zu der Handlungskette eines kompletten Apports, erfahren wir jede Menge über die angewandte Lerntheorie die in der Praxis so wichtig ist.
Ein schönes positiv aufgebautes Apportiertraining schweißt das Mensch-Hunde-Team in vielen Bereichen noch näher zusammen. Wenn das Training dem Hund angepasst ist, er weder gelangweilt noch überfordert wird, er Erfolgserlebnisse erfahren kann und er die Freude am Apportiertraining beibehalten darf, festigt dies die Bindung  zwischen Mensch und Hund. Die Bindung, nach der wir alle streben, charakterisiert sich durch einen überproportionalen Austausch von POSITIVEN Verhaltensreaktionen! Es ist immer ein Geben und Nehmen im Zusammenleben von Lebewesen!

Doch was macht ein erfolgreiches, positives Training aus?

In erster Linie sollten Sie auf Folgendes achten:

  • Der Spaß und die Freude am GEMEINSAMEN Lernen sollte oberste Priorität haben.
  • Setzten Sie sich Ziele! Erreichbare Ziele für Sie und Ihren Hund.
  • Kleinschrittiger Aufbau.
  • Nichts ist selbstverständlich!
  • Nehmen Sie sich die Zeit die Ihr Hund braucht um mit Ihnen zu einem tollen Team zusammenzuwachsen.

In zweiter Linie sollten Sie sich von folgenden Gedanken verabschieden:

  • absoluter Gehorsam: Hunde sind keine Maschinen! Die Grundsignale benötigen auch Zeit zur Festigung und gerade im Kontext des Apportiertrainings fällt es unter Umständen dem ein oder anderen Hund schwerer erlernte Signale, die er sonst ausführen kann, zu zeigen, da seine Motivation und die Ablenkung eine andere ist als in Situationen, in denen die Signale bereits trainiert worden sind.
  • der Hund darf nie einem Gegenstand einfach so hinterherrennen, weil er sonst lernt einzuspringen und von sich aus zu starten, anstatt auf das Signal seines Menschen zu warten. Der Hund darf gern mal ein "Spaßwurf" bekommen. Sie können dies zum Beispiel in der Signalgebung unterscheiden. Wenn Sie Ihrem Hund beispielsweise ein "Apport" als Startsignal geben, dann bringen Sie ihm bei, dass dies bedeutet den Gegenstand wieder zu Ihnen zu bringen. Wenn Sie dann beispielsweise ein "Hab Spaß" als Signal geben, darf er mit dem Gegenstand machen was er mag. Hunde können hier sehr gut unterscheiden und Sie selbst nehmen dadurch enorm viel Druck aus dem Training und dem Spiel mit Ihrem Hund.
  • Wenn der Hund unterwegs eine kleine "Ehrenrunde" mit dem Gegenstand dreht, sich löst oder auf einmal etwas anderes viel spannender findet als den Gegenstand nach Hause zu bringen, bedeutet dies NICHT, dass er sie dominiert! Er hat möglicherweise die Handlungskette noch nicht generalisiert, und das Lösen ist eventuell eine Stressreaktion, oder der Hund ist einfach im Übermut und genießt es gerade zu flitzen. Wenn dies passiert, so ist dies kein Grund härter oder strenger zu werden. Vielmehr sollten solche Situationen dazu anregen nachzudenken, was Sie verändern können, um das Lernen Ihres Hundes zu erleichtern, zu ermöglichen und zu verbessern. Lag es daran, dass die Aufgabe zu schwer gestellt war, war es ein anderes Umfeld, sprich die Ablenkung zu groß? Waren andere Hunde anwesend oder war es ein sehr wildreiches Gebiet, haben Sie sich als Mensch anders verhalten als sonst? Es gibt 1.000 Gründe, die einen Hund verunsichern können, aber fallen Sie bitte nicht in veraltete Thesen der Dominanztheorie!

Wie intensiv man mit seinem Hund in die Dummyarbeit einsteigen möchte, bleibt jedem selbst überlassen. Ob man das Training so gestaltet, dass man dem Prüfungsreglement der verschiedenen Verbänden gerecht wird oder nicht, hängt davon ab welche Ziele man sich steckt. Ob man an Prüfungen und sogenannten Workingtests teilnehmen möchte oder nicht.
Workingtests sind eine Art Dummywettkampf/-prüfung, die von den unterschiedlichen Verbänden angeboten werden. Meist ist die Dummyprüfung der Anfänger Voraussetzung für die Teilnahme an diesen Workingtests. Es werden unterschiedliche Aufgaben aus dem Dummybereich gestellt und von Richtern bewertet.
Wofür Sie sich auch entscheiden, in erster Linie gilt für Sie als Hundehalter gemeinsam mit dem Hund Spaß am Apportieren zu haben.

Zusammengefasst kann ein positiv aufgebautes Apportiertraining  wertvolle Auswirkungen auf die Mensch-Hunde Beziehung haben! Die Bedürfnisse Ihres Hundes werden erfüllt, es bringt Ihnen die angewandte Lerntheorie viel näher und Sie und Ihr Hund lernen sich intensiver kennen. Sie vertiefen Ihre Bindung zueinander und wachsen enger zusammen. Sie lernen sich gegenseitig besser zu lesen und zu verstehen (Körpersprache Mensch-Hund), zu vertrauen und Sie kooperieren als ein Team. Aus allen Puzzleteilen, die das Apportieren zur Verfügung stellt, können Sie einen sehr großen Nutzen für den Alltag ziehen. Ein Resultat, das Ihnen einen glücklichen, zufriedenen, ansprechbaren und kooperativen Hund schenkt!...und nebenher auch Spass macht ;-)!

© 4steps4dogs – Training für Mensch & Hund  Heike Benzing 2013

ZURÜCK